Mittwoch, 23. Oktober 2013

Foum-Zguid - Bou-Azzer - Agdz (Agdez)

97.Tag, Montag 4.2.2013

Wieder unterwegs. Die Fahrt führt uns durch fast vegetationslose Steinwüste, auch hier gibt es wieder absolut beeindruckende Bilder der verschiedenen Farbabstufungen und Felsformationen! Teilweise erscheinen die Felsen und das Gestein fast grün, wir rätseln, was das wohl sein könnte, Kupfer, Bauxit? In Bou-Azzer wird Bergbau betrieben, hier wird tatsächlich Kupfer, Nickel und Kobalt abgebaut.








Die Straße hier ist in einem miesen Zustand, tiefe Löcher und Furchen müssen umfahren oder, wenn es nicht anders geht, langsam durchquert werden. Erst kurz vor Tasla ändert sich das wieder, Alhamdullilah, ab hier ist die Straße zweispurig und mit gutem Belag! Wenige Kilometer vor Agdz steht ein Nomade in traditioneller Kleidung um Straßenrand, sein Auto hat eine Panne und er möchte in die Stadt mitgenommen werden. Für die freundliche Aufnahme hier in Marokko möchten wir uns gerne revanchieren und nehmen ihn deshalb mit. Er lädt uns in sein Haus ein zu einem Tee und bietet uns außerdem einen Stellplatz in der Palmeraie zum Übernachten an, der angeblich nicht so touristisch sei wie die Casbah Caïd Ali, die unser heutiges Ziel ist.

In seinem Haus angekommen bietet sich uns ein überraschender Anblick: Wir finden uns in einem großen Magazin für Teppiche, Schmuck, Tonwaren und ähnlichem wieder und jetzt kommt dass große AHA! Reingefallen, getürkte Panne und dann Abschleppen zum Kaufgespräch! Ein beliebter Trick, von dem ich auch schon in unserem Marokkoführer gelesen habe. Und, wie wir in späteren Gesprächen erfahren, fallen hier in Agdz nicht nur wir auf diesen Trick herein. Egal, der Nomade ist nett, nicht aufdringlich, wir bekommen Tee serviert, "le whisky berbère",  und Bilder gezeigt, auf denen er mit seinen Kamelen und Touristen auf einem Wüstentreck zu sehen ist, das ist nämlich seine eigentliche Tätigkeit - Touren durch die Wüste mit Dromedaren, bis hin nach Timbuktu... Das klingt verlockend, besonders für ihn!



Ich möchte aber jetzt gerne zur Casbah Caïd Ali, davon habe ich schon gehört und gelesen und bin  gespannt darauf. Eine Kasbah, die unter anderem mit Hilfe einer deutschen Gruppe (Lehmexpress) renoviert und so vor dem Verfall gerettet wird, dem hier so viele Kasbahs und Ksars zum Opfer fallen.

Agdz wirkt auf uns auf den ersten Blick sauberer und netter als Foum-Zguid. Aber wir fahren heute erst einmal nur durch bis zur Casbah Caïd Ali. Eine traumhafte Kulisse, die Kasbah mit dem verfallenden Ksar vor der Palmeraie...







Foum-Zguid, Khayma Park

96.Tag, Sonntag 3.2.2013

Die Euphorie von gestern ist einer leichten Ernüchterung gewichen. Es liegt einfach viel zu viel Müll um uns herum, es gibt zuviel Pfusch an diesem Campingplatz, eigentlich funktioniert hier nichts mehr, kein Licht, keine Dusche - naja, eine von dreien - alles, was hier entzwei geht, bleibt einfach so oder wird ziemlich lieblos und behelfsmäßig repariert. Da tröstet es auch nur wenig, dass die Jungs vom Campingplatz, Abdul-Chaif, Yassin und Abdel super nett sind, wir sind leicht deprimiert, weil hier alles so verrottet. Dazu kommt, dass ein Wind von der Wüste den Sand, bzw. Staub hereinträgt, der Himmel ist ganz gelb und verhangen, dabei ist es dann auch kühl. Marokko, kaltes Land unter heißer Sonne - die Beschreibung stimmt, das merkt man besonders abends und an Tagen wie diesen, wenn die Sonne nicht durchkommt durch Staub oder Wolken.




Mittags gehe ich mit den Hunden durch die Palmeraie und komme später zu einem kleinem Marabout und einem alten, zum großen Teil verfallenen Ksar. Ich wage mich ein kleines Stück hinein und höre dann hinter einer alten Holztüre Stimmen. Der Ksar ist also immer noch bewohnt, das bestätigt mir auch später Abdel-Chaif, er lebt auch dort.








Weil gestern nicht genug Zeit zum Teppiche Anschauen war, hatte er sich für heute mit Abdulhakim verabredet. Er hält sich eine ganze Weile bei ihm und in seinem Laden auf und kehrt dann mit einem kleinen safrangelben Teppich zum Bus zurück. Der ist sehr hübsch, aber Farah scheint ihn nicht zu mögen, sie legt sich ganz an den Rand...

Dienstag, 22. Oktober 2013

Issafen - Tata - Foum-Zguid

95.Tag, Samstag 2.2.2013

Wir fahren die Strecke, die Andy empfohlen hatte: Nebenstraße, weiß in der Michelinkarte, aber gut ausgebaut und neu. Von den engen Serpentinen, vor denen er gewarnt hatte, allerdings keine Spur! Die Route ist sensationell, wirklich - Steinwüste, Berge, Sand, vereinzelte Palmenoasen und jede Menge Einsamkeit. Wir treffen nur auf wenige Fahrzeuge, meist sind es Lkw's, die mit einem halsbrecherischen Tempo unterwegs sind.

Wir nehmen einen jungen Berber mit, der an der Straße steht. Er nimmt auf dem Beifahrersitz Platz und ich setze mich nach hinten zu den Hunden. Unter fotografischen Aspekten gar nicht schlecht, denn so kann ich durch das kleine Fenster an der Fahrerseite nicht nur Gegenlichtbilder wie vom Beifahrersitz aus machen. Die Farben kommen hier natürlich viel besser zur Geltung. Die Landschaft ist wirklich unglaublich schön: vor der Bergkulisse im Hintergrund breiten sich weite Sandebenen aus, auf denen einzelne Bäume und Sträucher wachsen, unterbrochen von weiten Strecken aus Steinwüste. Die vorherrschenden Farben sind Blau, (der Himmel, natürlich), Gelb, Schwarz und etwas Grün.
 








Nachdem der junge Berber in Tata ausgestiegen ist, machen wir ein Pause für die Hunde. Auch Leon darf hier in der Weite der Wüste endlich wieder einmal frei laufen.

Ich bin frei! Freiheit, so weit ich schauen kann! Laufen bis zum Horizont! Doch einfach nur so laufen? Gibt es hier keine Häschen? Es sieht gar nicht so aus, riecht auch nicht so. Naja egal, laufe ich mit Farah ein paar Runden!

Es ist heiß und wir werden von hunderten von Fliegen überfallen. Die mögen allerdings seinen Pfeifentabak nicht, deshalb bleibt er von ihnen ziemlich unbelästigt. Kein Ort, an dem wir uns länger aufhalten mögen! Die weitere Strecke führt fast nur geradeaus, immer weiter durch die Steinwüste, sodass wir ziemlich gut vorankommen und Foum-Zguid schon am frühen Nachmittag erreichen.





Wir bleiben im Khayma-Parc, einem kleinen Campingplatz in der Stadt am Rande der Palmeraie. Ganz euphorisch besetzen wir ein kleines Palmenzelt neben unserem Stellplatz und verbringen dort geschützt vor der heißen Sonne den Nachmittag. Farah rennt einer Katze hinterher und landet bei den Hühnern der Campingplatz-Nachbarin, lautstarkes aufgeregtes Gegacker! Als ich sie eingeholt habe, hat sie noch eines im Fang, lässt es aber erschrocken los, weil ich sie anbrülle... Das Huhn rennt laut krakehlend davon, es lebt also! Es folgt noch ein größeres Spektakel. Die Besitzerin des Huhns beschwert sich bei den Campingplatzbetreibern, drei Hühner seien weg, die Henne mit ihren zwei Küken seien in Panik geflüchtet. Aber unser junger Campingplatz Gastgeber beschwichtigt und vereinbart mit ihr, dass wie sie entschädigen werden, falls die Hühner bis morgen nicht zurück sind.




Zu viert gehen wir dann bei untergehender Sonne in Richtung Zentrum. Die Menschen hier sind anders - die Kinder ärgern die Hunde, ein Ladenbesitzer ist sauer, weil ich seinen Laden fotografiert habe, insgesamt nicht so freundlich. Auch das Äußere unterscheidet sich von den Berbern weiter nördlich, hier leben mehr Wüstenbewohner, Nomaden, dunkelhäutige Afrikaner, viele mit dem indigofarbenen Turban, wie ihn auch die Tuareg tragen. Ein Nomade spricht uns auf die Hunde an, sehr freundlich - wie sich herausstellt, nicht ganz ohne Hintergedanken. Er ist Händler, der Teppiche und andere alte Gegenstände der Wüstenbewohner verkauft. Er lädt uns in seinen hübschen kleinen Laden ein und versteht es, besonders ihn für seine Schätze zu begeistern! Sein Name ist Abdulhakim, er spricht mehrere Sprachen, nur vom Zuhören, denn eine Schule hat er nur vier Jahre lang besucht. Lateinische Schrift kann er zum Beispiel überhaupt nicht! Jetzt breitet er Teppich für Teppich vor uns aus - das kann ein langer Abend werden. Eigentlich wollten wir doch nur Brot kaufen, ich habe Hunger und jetzt so gar keinen Sinn für Teppiche! Also verabreden Abdulhakim und er sich für den nächsten Tag und ich bekomme spät, aber immerhin, doch noch mein gegrilltes Steak mit frischem Fladenbrot!
 




Aber sehr schade: heute hat sich meine kleine Nikon verabschiedet - die Objektivlamellen öffnen sich nicht mehr! Jetzt habe ich nur noch die Unterwasser-Outdoor-Nikon und meine alte Sony.

Sonntag, 20. Oktober 2013

Ammelntal - Tafraoute - Ammelntal - Âit Abdallah - Igherm - Issafen

94.Tag, Freitag, 1.2.2013

Wir tauschen e-mail-Adressen und Reisetipps mit Maya und Andy. Sie waren schon dort, wo wir noch hin wollen.

Der Morgenspaziergang ist schön, aber auch sehr staubig und dornig. Ganz gemeine 3-D-Dornen, die den Hunden in den Ballen stecken bleiben. Es wird schnell heiß, der kleine Campingplatz ohne Schatten... Die Kulisse hier ist toll, eine wahnsinnige Landschaft, doch in der Nahaufnahme gefällt es nicht mehr so. Wir würden den Bus in einer Werkstatt in Tafraoute gern abschmieren lassen, aber es herrscht viel Betrieb dort und er hat nicht die Geduld, lange zu warten - deshalb lassen wir es. Also weiter! Kein gemütliches Berbertajine abends im Restaurant, wie ich es mir schon ausgemalt hatte, stattdessen wieder in die karge Bergwelt, Richtung Tata und dann Zagora...






Aber die Fahrt heute ist atemberaubend, es geht hoch hinauf, bis auf etwa 2000 Meter - gelb getönte Berge, fast kahl, tiefblauer Himmel und immer wieder blühende Mandelbäume. Unglaubliche Farben! Wir sind fast allein unterwegs, ab und zu passieren wir ein kleines Dorf mit rosa getünchten Häusern und dann geht es wieder viele Kilometer lang durch Einöde: Felsen, Berge und Hochebene in den Farben Gelb, Blau, Rosa und Weiß. Es ist heiß, auch hier oben, den Hundespaziergang mache ich entlang der Straße, kein Schatten weit und breit, und die Armen trotten an der Leine neben mir her.










In Igherm sollte es eigentlich einen Campingplatz geben, aber den entdecken wir nicht und fahren deshalb weiter in Richtung Tata auf einer Straße, die laut Andy super sein soll, neu und gut ausgebaut. Stimmt, bloß Stellplätze, die gibt es wieder einmal überhaupt nicht! Die Sonne geht langsam unter und ich werde mal wieder etwas nervös. Er nicht - er wird schon etwas finden - Glaube Liebe Hoffnung - werde ich belehrt. Und tatsächlich, in einem Ort, Issafen, hält er an einem Militärposten, spricht mit dem Offizier, und der erlaubt uns gerne, dass wir uns auf einen freien dazu gehörigen Platz stellen um über Nacht zu bleiben. Im Gegenzug freut er sich, dass er sich mit uns unterhalten kann. Er kommt aus Erfoud, weiter im Osten, und fühlt sich hier gar nicht heimisch - die Menschen bleiben lieber unter sich, er ist mit seiner Familie hier immer ein Fremder.